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Dass man in Halle schon im 15. Jahrhundert als Reserve für den Kriegsdienst das Bogenschießen im Graben übte, lässt sich eindeutig belegen.

Artikel aus den Mitteldeutschen Neuesten Nachrichten von 1976

Sogar Geldstrafen gab es, wenn man dem „Training“ fern blieb, oder dabei gar ungezogene Wortwahl übte. Doch für die Bogenschützen im heutigen Sachsen- Anhalt begann der interessante Teil ihrer Geschichte erst im 20. Jahrhundert...

Nach dem 2. Weltkrieg wurde unter der Verantwortung der Siegermächte die Teilung Deutschlands in die Bundesrepublik und die Demokratische Republik vollzogen. Jahre später erfolgte diese Trennung auch für die Bogenschützen. Im „Osten“ gründete sich unter Regie und Mitarbeit unseres Sportfreunds Klaus Oelsch der „Deutsche Bogensportverband e.V.“ am 10. Oktober 1959 am Dreiländereck in Zittau.

Der Deutsche Schützenbund siedelte sich hingegen eher im westlichen Deutschland an. Zum damaligen Zeitpunkt gab es in der ehemaligen DDR noch keine Bundesländer. Das Staatsgebiet wurde in Bezirke unterteilt. In Sachsen- Anhalt waren dies zum Beispiel die Bezirke um Halle, Dessau, Magdeburg, Zeitz, Salzwedel und viele mehr.

In den Jahren nach 1969, acht Jahre nachdem die endgültige Trennung der beiden deutschen Staaten durch den Bau der „Mauer“ vollzogen wurde, wurde es um den Bogensport in Sachsen- Anhalt, vor allem in Halle und Magdeburg, sehr still. Dies lag nicht zuletzt daran, dass der Bogensport der „Abteilung Sport II“ zugeordnet wurde und daher eher nebenrangig war. Die Entscheidenden hatte es kalt gelassen, dass der Hallenser Bogensportler Horst Kißmehl in dieser Zeit mehrfacher DDR-Meister gewesen war.

Lediglich in den Bezirken um Zeitz und in den ersten Jahren der Abstinenz auch Klostermannsfeld, Salzwedel und Elend wurde weiterhin der Bogensport in all seinen Formen voran getrieben. Der Verein „Lok Halle“ löste sich jedoch nach mehrmaliger Vertreibung vom gerade neu zugewiesenen Trainingsplatz auf. Erst um 1975 kamen mit der Neugründung der Bogensportsektionen bei Lok Zeitz und in Bernburg auch neue Impulse in Halle auf.

Im Norden Sachsen- Anhalts gab es in den 1970er Jahren um die Schützen Wolfgang Voigt, Georg Finkelmann und Rainer Philipp wettkampfmäßig betriebenes Bogenschießen. Diese Trainingsgruppe schloss sich zwar dem Verein Bergmann Borsig Berlin an, übte jedoch in Stendal und Tangermünde.


Georg Finkelmann beim Training
(Er war schon vorher mit Gleichgesinnten in
Mecklenburg- Vorpommern aktiv)


In den Jahren etwa 1974 bis 1980 gehörte man zur 1. Männermannschaft. Neben den Fita-Runden entwickelte diese Trainingsgruppe auch eine besondere Leidenschaft für das Jagd- und Feldschießen.


Wolfgang Voigt beim Feldbogenschießen


Zu Wettkämpfen der 1. DDR-Liga und zu DDR-Meisterschaften fuhr man nach Berlin, Strausberg, Dallgow, Leipzig, Rostock, Suhl oder Radeberg.


Ergebnisliste zur DDR- Meisterschaft Feld 1977



Obwohl der Bogensport zentral in Berlin bei der Spartakiade als „Sport II“ nichts zu bestellen hatte, war der Bogensport jedoch ab 1980 immerhin Teil der damals äußerst wichtigen Kreis- und Bezirksspartakiaden.


Ausschreibung zur Bezirksspartakiade 14.06.1980


Diese waren vor allem in werbewirksamer Hinsicht attraktiv für den Bogensport. Man interessierte sich sowohl in Halle als auch in Magdeburg mehr und mehr für die Bogensportler. Die ruhige Sportart mit den bunten Scheiben, im Umfeld grüne Bäume und Büsche, machte wieder etwas her. Vor allem für Öffentlichkeit und Presse.


Bilder zur Bezirksspartakiade 14.06.1980


Man schoss dabei auf 10 Tierbildscheiben in etwa 8 bis 12 Metern Entfernung. Und die Ergebnisse der Kinder und Jugendlichen konnten sich sehen lassen.


Ergebnisliste zur Bezirksspartakiade 14.06.1980



Im September 1980 gründete sich die Sektion BSG Chemie Leuna Halle- Neustadt.




Gründungsprotokoll der BSG Chemie Leuna Halle- Neustadt vom 15.09.80.

Die Bogenschützen in der neu gegründeten Betriebssportgemeinschaft erhielten vor allem durch den DTSB Förderung. Zur Erstausstattung erhielt man damals einen Zuschuss in Höhe von 3.000 Mark zum Kauf von Scheiben, Bögen und sonstigen Bogensportmaterial, um den Betrieb von Training und Wettkampf aufnehmen zu können.


Zuschussverteilung der BSG Chemie Leuna Halle- Neustadt.


Auch war man in der Planung beim Mitgliederzuwachs und Inhabern von Kampfrichter- und Übungsleiterlizenzen durchaus optimistisch. Immerhin wurde durch die Förderung des DTSB einiges möglich. Das man auch bei der Betriebssportgemeinschaft sehr viel Wert auf Nachwuchsförderung legte, geht aus der Mitgliederplanung des Sektionsleiters der BSG Chemie Leuna Halle- Neustadt, Klaus Oelsch, hervor.




Planung "Mitglieder, Kampfrichter Übungsleiter" von Sektionsleiter Klaus Oelsch


Bis 1989 bildeten sich in den Bezirken um Halle und Magdeburg jeweils 21 und 9 Sektionen zur Hälfte bei Schul- und Dorfsportgemeinschaften und zur anderen Hälfte bei den Betriebssportgemeinschaften. Bis dahin stiegen die Mitgliederzahlen auf über 650 Mitglieder. Es gab ein durchdachtes System von Wettkämpfen bis hin zu den Bezirksmeisterschaften.




Die Ergebnisliste eines Sektionsvergleiches vom 20.09.81.


Jedoch gab es im Bezirk um Halle keinerlei Wettkämpfe, bei denen man die internationale FITA- Runde schießen konnte. In der ehemaligen DDR war man der Ansicht, dass man mit dem vorhandenen Material lediglich kurze Entfernungen bis 50m vernünftig absolvieren könnte. Material aus dem Ausland zu importieren war ja nicht möglich.


Wie sehr im künftigen Sachsen- Anhalt Bogennot bestand, geht aus einem Schreiben des damaligen Sektionsleiters der BSG Chemie Leuna- Halle Neustadt, Klaus Oelsch, an den jugendlichen Schützen Fuhrmann hervor.


Trotz das man sich bei der Teilnahme an den DDR Meisterschaften auf Grund des Materialmangels auf den Jugendbereich konzentrierte, stiegen die Mitgliederzahlen weiterhin.


Zunächst konzentrierte man sich auf die auf Geselligkeit ausgerichteten Massenwettkämpfe, bei denen jeder, ob jung oder alt, Meister oder Anfänger, den Bogen in die Hand nehmen konnte. Vor allem im Jugendbereich wurde gute Arbeit geleistet. So arbeitete man stets auf die Kreis- und Bezirksspartakiaden hin, welche jeweils den Saisonhöhepunkt des Jahres darstellten.

1987 erfolgte jedoch der Ausschluss des Bogensports bei den Bezirksspartakiaden. Der Hallenser Bezirksfachausschuss brach daraufhin seine Beziehungen zum DTSB (Deutscher Turn- und Sportbund) ab und führte nunmehr die Jugendarbeit gemeinsam mit dem DBSV Bezirksvorstand weiter.

In den ehemaligen Bezirken, die heute das Land Sachsen- Anhalt bilden, fand eine langfristig geplante, regelmäßige Übungsleiter- und Kampfrichterausbildung statt. Die Lehrgänge wurden mindestens einmal jährlich mit etwa 20 bis 25 Teilnehmern durchgeführt und bildeten die Basis der heutigen Lizenzierung der Übungsleiter und Kampfrichter. Deutscher Meister konnten Hallenser nur zwei Mal im Rahmen der Verbandsrunde (50m/30m) werden. In den anderen Klassen, vor allem im Kinder- und Jugendbereich war unseren Bogensportlern, die mit vergleichsweise leistungsfähigem Material angetreten waren, auf Grund der unterschiedlichen Ausrüstung zu den anderen Teilnehmern schon der Versuch verwehrt, sich überhaupt mit den anderen zu messen. Zu den privilegierteren Vereinen zählten unter anderen der ASG Straußberg, Wismut Schlema, Stahl Unterwellenborn / Könitz usw..

Diese Erfahrung aber erzogen die Bogensportler aus Sachsen- Anhalt zu Ausdauer und engem Zusammenhalt, sowie zur Härte im Nehmen der betroffenen Vereine und Bogensportler.

Viel gebracht hat es den Bogensportlern Sachsen- Anhalts nicht. Mit der Wende gingen fast alle Dorf- und Schulsportsektionen unter. Deren Grundlage, die LPG im Dorf, verschwand. Die Schulen beschäftigten sich mit ihren, anderweitigen Problemen. Den Betriebssportgemeinschaften liefen junge aktive Bogensportler weg und wechselten den Wohnort. Eine Fülle von neuen, verlockenden Angeboten der Freizeitgestaltung besonders für Kinder und Jugendliche und der Abgang junger aktiver Mitglieder wegen eines neuen Arbeitsplatzes in die alten Bundesländer waren Gründe für den Mitgliederrückgang. Das alles aber schien den Bogensport im werdenden Sachsen- Anhalt trotzdem nicht aufzuhalten...

Hier geht's zu den Jahren 1990 bis 1999.

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